Simon Andy Voegelin, geboren 1984 in Basel. Der Wahlzürcher lebt seit 2011 in Zürich und ist seit 2008 im Kunstgeschäft tätig. Nach seiner Beschäftigung als Kunst-Spediteur, verantwortlich für Kunstmessen weltweit, hat er angefangen als Registrar, Techniker und Verkäufer für Galerien zu arbeiten.

Interviewer: Herr Voegelin, wie sind Sie dazu gekommen den Kunstraum Waldhaus ins Leben zu rufen?

Simon Andy Voegelin: Ich sammle seit 10 Jahren Kunst und wollte zum Jubiläum meine Sammlung öffentlich zugänglich machen. Es bringt ja nichts wenn ich die Werke eingepackt in meinem Lager aufbewahre, darum wollte ich mal einen Einblick gewähren. Ich habe dann erst mit ein paar Galerien in Zürich gesprochen, die waren aber nicht interessiert auf eine Zusammenarbeit oder hätten die Galerie einfach für 1000 bis 2000 Franken in der Woche vermietet. Das war aber keine Option. Ich bin dann auf Projekt Interim gestossen, die verwalten Zwischennutzungen. Ich fragte nach einem anderen Objekt an, das war aber schon abgeschlossen und die Mitarbeiterin von Projekt Interim hat mir dann die Anlieferung der Zwischennutzung Waldhuus angeboten. Ich ging mir die Räume im November 2017 anschauen und für mich war klar, dass ich da viel Aufwand reinstecken werde. Da dachte ich mir, wenn ich das schon mache, dann gleich bis das Haus abgerissen wird, also bis Ende 2019.

I: Sie sind jetzt 34 Jahre alt, wie kommt es, dass ein damals 24-jähriger beginnt Kunst zu sammeln?

SAV: Mein Vater war Fotograf. Er hat sehr viel für Basler Künstlerinnen und Künstler und Galerien gearbeitet. Dann wurde er oft mit Kunst bezahlt und die Kunst war in meinem Elternhaus überall präsent. Wir haben zwischen Ölgemälden und Skulpturen gespielt, Kunst gehörte einfach dazu. Als ich dann von zuhause ausgezogen bin habe ich schnell gemerkt, dass ein gerahmtes Poster vom Möbelgrossisten ein Kunstwerk nicht ersetzt. Mit meinem Job als Kunstspediteur war ich viel an Kunstmessen im In- und Ausland, ich habe viele Künstler getroffen und schon war ich am Sammeln.

I: Haben Sie sich dann selber als Sammler gefühlt?

SAV: Schön dass Sie das so erwähnen. Ich glaube Sam Keller hat mal gesagt, Kunstsammler ist man wenn man ein Kunstwerk kauft und nicht weiss, wo man es hin hängt. Und das war dann ziemlich schnell mal der Fall. Erst habe ich gekauft, was mir gefallen hat und natürlich was ich mir leisten konnte. Ich bemerkte aber, dass es droht aus dem Ruder zu laufen. So habe ich mich auf zwei Sammlungsschwerpunkte festgelegt.

I: Spannend. Was sind dann die Schwerpunkte?

SAV: Ich habe mir zwei thematische Schwerpunkte gesetzt. Dies aus dem, was mich aktuell bewegte und was mich stetig begleitete. Zum einen stelle ich eine Frage nach Gott, nach dem Sinn des Lebens. Gibt es eine höhere Macht, die uns leitet oder beschützt? Auch nach der Frage des Sinn des Lebens. Die klassische Frage: «Leben wir um zu arbeiten oder arbeiten wir um zu leben».

Zum anderen beschäftige ich mich in meiner Sammlung mit Frauen, der natürlichen Schönheit, einer Sexyness aber auch mit dem Zusammenspiel von Frau und Mann, einer gegenseitigen Abhängigkeit bis hin zu Fetischen. Und da schliesst sich dann wieder der Kreis, die Frau kann auch einer Gottheit gleichgestellt werden. Die beiden Themen vermischen sich wieder und ergeben so einen spannenden roten Faden durch meine Sammlung.

I: Aber Ihre Sammlung ist nicht mehr im Kunstraum Waldhaus zu sehen, richtig?

SAV: Nein, das war die erste Ausstellung, im April 2018 habe ich den Kunstraum Waldhaus mit dieser Ausstellung eröffnet. Danach ging es mit einer dritten Ausgabe der KALC (Kick Ass Local Contemporary) weiter. Die KALC wurde 2013 von mir ins Leben gerufen und hat seit 2013 pausiert. Nach der KALC habe ich eine Ausstellung mit dem Titel Röschtigraben gezeigt, eine Gruppenausstellung mit welschen und deutsch-schweizer Künstlern, die den Röstigraben aufgeschüttet hat. Danach folgte die Ausstellung D I G I T A L, diverse Künstler zeigten ein breites Spektrum von digitalen Werken. Und nun vom 29. November bis zum 22. Dezember gibt es die Weihnachtsausstellung – eine Reprise über das erste Jahr mit fast allen Künstlerinnen und Künstlern, die wir über die ersten Ausstellungen gezeigt haben.

I: Und was genau ist die Weihnachtsausstellung?

SAV: Eine Reprise, eine bunte Mischung aus hauptsächlich kleineren Werken, die sich hervorragend als Weihnachtsgeschenke eignen. Kuratiert von mir mit einem frischen Mix aus bisherigen Arbeiten und neuen Werken der Kunstraum Waldhaus Künstlerinnen und Künstler. Zusätzlich gibt es während den beiden verkaufsoffenen Sonntagen am 2. und 9. Dezember warmen Glühwein. Und speziell für diese Ausstellung können gekaufte Werke direkt nach dem Zahlen mitgenommen werden. So reicht es auch sicher für unter den Weihnachtsbaum.

I: Da bin ich ja mal gespannt. Wie ist dann der Kunstraum organisiert?

SAV: Wir sind ein Verein. Mit dabei ist eine Buchhalterin, ein Grafiker und ein Fotograf. Die künstlerische und technische Leitung obliegt mir. Gerne möchten wir das Team noch ausbauen, vor allem in den Bereichen Kommunikation und Fundraising.

I: Und wie geht es nach der Weihnachtsausstellung weiter?

SAV: Nach der Weihnachtsausstellung ist Pause bis im Januar. Dann geht es mit der Ausstellung «Kunstraum Waldhaus Performances» weiter. Wir zeigen verschiedene performative Künstlerinnen und Künstler die unsere Räume bespielen werden. Im Februar zeigen wir eine Frauenpower Ausstellung und nachher geht es dicht weiter. Bis Ende 2019 sind sieben Ausstellungen geplant, somit haben wir im Kunstraum Waldhaus 12 Ausstellungen in weniger als zwei Jahren gehabt.

I: Ein ambitiöses Ziel.

SAV: Ambitiös ja, aber es war uns von Anfang an wichtig ein seriöses Programm mit einer grossen Anzahl an Ausstellungen zu haben. Das ist klar Teil des Konzeptes, wir haben einen hohen Anspruch an uns. Wer den Kunstraum Waldhaus besucht, soll ein positives Erlebnis haben, zum Nachdenken angeregt werden und sich noch lange an seinen Besuch bei uns erinnern.

I: Da wünsche ich Ihnen viel Erfolg, vielen Dank Herr Voegelin für das Interview.

SAV: Sehr gerne.